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Sonntag, 2. Mai 2010

Korni vs. New Zealand

Es ist schon verrückt – jetzt wohne ich schon seit über einem Jahr hier in meinem kleinen Zimmerchen in Sydney und jedes mal wenn ich von meinen Reisen wiederkomm ist es fast, als würde man nach Hause kommen – aber eben auch nur fast…

Vor zwei Tagen bin ich wieder in Sydney gelandet. Hinter mir liegt eine erlebnisreiche Woche und wieder einmal gab es viele tausend Kilometer zu bereisen. Montag der 26. April war offizieller Feiertag in Australien – ANZAC Day, Gedenktag für die vielen gefallenen australischen und neuseeländischen Soldaten im ersten Weltkrieg. Wenn ich also schon mal 3 Tage frei habe, so wollte ich diese sinnvoll nutzen. Mir kam also in den Sinn mal einen kleinen Abstecher auf die Nachbarinsel Neuseeland zu machen, denn von Sydney ist das allemal näher, als von daheim in Deutschland. Mein Zielort war Christchurch, auf der Südinsel, ca. 3200km von Sydney. Ich hatte mir den Freitag noch als zusätzlichen Tag frei genommen. Somit ging es Donnerstag direkt nach Arbeitsschluss zum internationalen Flughafen – mich erwarteten 3 Stunden Flugzeit und aufgrund der 2 Stunden Zeitverschiebung erreichte ich gegen Mitternacht das 6°C kalte Christchurch. Ich glaube so kalt war es nicht mehr seitdem ich Deutschland vor über einem Jahr im Winterverlassen habe. Der darauffolgende Tag war allerdings ungewöhnlich war für neuseeländische Verhältnisse, fast schon zu warm für meine Jeans, die nach einer 6-monatigen Sommerpause das erste Mal wieder zum Einsatz kamen. Aber all das nahm ich gern in Kauf, denn der wolkenfreie Himmel eröffnete mir beste Aussicht auf die umherliegenden Gebirgszüge. Mein Gastgeber, ein Freund, den ich vor ein paar Monaten bei seinem Sydneyaufenthalt bei uns in der Gemeinde getroffen hatte musste leider arbeiten. Also hatte ich ein wenig Zeit, um mir die Stadt anzusehen.

Besonders beeindruckend war der Botanische Garten

– aber wer Neuseeland kennt, der weiß, dass die wahre Schönheit des Lands in der einmaligen Landschaft der Insel liegt. Will man diese also bestaunen muss man aus der Stadt raus. Ich hatte eine Werbung für eine Seilbahn gefunden und dachte mir ein netter Ausblick über die Stadt ist ein guter Anfang und vielleicht sieht man dann auch ein wenig mehr – ich wurde nicht enttäuscht. Der Bus brauchte reichliche 30 Minuten bis zur unteren Seilbahnstation und auf einmal war ich schon inmitten der Berge. Ich hatte genügend Zeit, um eine Strecke zu Fuß zurück zulegen. Bergab erschien mir jedoch nicht so die ultimative Herausforderung – also krakzelte ich erstmal bergauf. Nur 20 Meter zurück gelegt und mir wurde offenbar, was mir jeder von Neuseeland erzählt hatte – Schafe! Wo man hinsieht, man sieht Schafe. Aber das macht erst den Charme der Landschaft aus – episch; traumhaft!







Die Stille, die Weite und die absolute Schönheit der Natur – man wird einfach nur zum Genießen verleitet. Bemerkenswert, bei dem Gedanken, dass man nur wenige Minuten zuvor die Großstadt verlassen hat. Aber diese wurde immer kleiner und leiser, je weiter ich auf den Berg hinauf stieg.





Mein Weg gabelte sich und ich entschied mich einem kleinen Trampelpfad zu folgen, der sich inmitten einer Schafherde durch die Berge steil nach oben schlängelte. Wenn man in Australien Buschwandern geht muss man immer acht geben nicht auf irgendeine mega giftige Schlange zu treten oder in ein unsichtbares Spinnennetz zu rennen. Hier, in den Bergen zwischen den Schafen bestand die Einzige Herausforderung darin nicht in deren Mist zu treten- aber wenn stört schon ein bisschen Sch… am Schuh;) Oben angelangt eröffnete sich ein wunderbarer 360° Rundblick.





Auf dem Weg zur Liftstation lies ich mich ein weiteres Mal von der Schönheit der Natur verleiden und entschloss mich auf einem anderen Weg wieder bergab zu gehen.

Mittlerweile begann die Sonne unterzugehen und tauchte den Berg in einen warmen goldenen Mantel…

Der darauffolgende Tag war eher weniger malerisch. Regen, Kälte und Wolken hüllten alles in ein dichtes unbehagliches Grau und außer einer Radtour im nahegelegenen Waldgebiet geschah recht wenig – aber immerhin: Ich war Rad fahren in Neuseeland;)

Unser Sonntag begann mit einem netten Gottesdienst. Für das Mittagsessen erwartete uns das neuseeländische Landesgericht (so wurde mir gesagt) – Fisch ‘n‘ Chips. Ich muss zugeben erst als ich in Neuseeland war, wurde mir klar, wie teuer doch Sydney ist. Ich bezahlte gerade mal 3 neuseeländische Dollar für meine Portion. In Sydney würde ich wohl nicht unter 8AUD wegkommen und dabei ist der australische Dollar sogar noch mehr wert das der neuseeländische.

Den Nachmittag nutzen wir um ein bisschen in die Berge zu fahren – wir reisten in das Land der Hobbits! Leider wurden die Wolken immer dichter je höher wir kamen, schöne Blicke gab es dennoch. Alles in Allem erinnerte es mich doch ein wenig an die Alpen und das Alpenvorland.


Für Montag hatte ich mir ein kleines Auto gemietet, weil mein Freund leider wieder auf Arbeit musste. Ich entschied mich in das 170km nördlich von Christchurch liegende Hanmer Springs zu fahren. Ein idyllischer Ferienort inmitten der Berge. Ich muss zugeben, die kleinen recht kurvigen Straßen haben mir auch ihre Freude bereitet, auch wenn man das Fahrerlebnis mit einem schönen Sportwagen noch etwas hätte toppen können.




Da mein Flieger leider schon wieder 16 Uhr startete, gab es nicht viel Zeit die Ruhe in den verlassenen Bergen zu genießen und so schnell waren dann auch schon wieder meine 4 Tage vorbei. Eigentlich viel zu wenig Zeit für ein so schönes Land – dennoch genug, um ein paar einmalige Erlebnisse wieder mit zurück zu nehmen.

Und da war ich wieder – zurück in Sydney, mit dem Gefühl nach Hause zu kommen. Daheim in einer Stadt, welche größer als die größte Stadt Deutschlands ist. Eine Stadt, die mehr Einwohner hat als das komplette Land aus dem ich gerade wieder zurück kam. Immerhin, in Neuseeland kommen wenigsten 3 Schafe auf einen Bewohner und somit Füllt sich die Fläche dann wieder, die fast identisch ist mit der Größe Deutschlands…

Zeit zum Verschnaufen gab es jedoch nicht. Dienstagmorgen ging es für mich auf Montage. Es gab 2 Orgeln in der Landeshauptstadt Canberra zu deinstallieren. Aber bevor es dahin ging gab es einen kleinen Umweg nach Batemans Bay, welches ca. 6 Stunden südlich von Sydney liegt. Nach 2 Stunden Fahrt wurde der 2-spurige Motorway auf einmal zu einer engen Landstraße. Unser Miet-LKW hatte sehr zu kämpfen mit dem vielen Bergauf Bergab inmitten der dichten Buschlandschaft. Mitunter lichtete sich der Wald und die seichten grünen Grashügel die zum Vorschein kamen erinnerten mich ein wenig an daheim.

Als wir von Batemansbay auf unserem Weg nach Canberra weiter ins Landesinner kamen wurde die Landschaft wieder etwas kahler. Weite Grünflächen, vereinzelt Bäume und Sträucher hier und da. Alles sehr ähnlich dem, was ich vor ein paar Monaten hinter den Blue Mountains sah. Hätte man mich verbundenen Augen an diesen Ort geführt – ich hätte behauptet in Afrika zu sein. Ich weiß, es ist komisch zu behaupten, dass ein Ort aussieht wie Afrika, wenn man noch nie in Afrika gewesen ist. Aber ich glaub, das würde ich mir unter Afrika mit seinen weiten Steppen vorstellen.

Die Montage an sich verlief ganz gut – nix Außergewöhnliches. Zwei Orgeln, beide nur zwei Türen voneinander entfernt. Das Kirchengebäude in Duntroon, dem militärischen Offiziersausbildungsgelände in Canberra, ist in 2 Teile unterteilt – ein katholischer und ein anglikanischer. Die Orgeln sind beide vom gleichen Orgelbauer, in den 70ger Jahren gefertigt. Billige Unitladen, viel Speerholz – wirklich nix Besonderes…

Das Essen, welches auf Kundenkosten (also im Endeffekt Steuergelder;) ging, war jedoch immer sehr außergewöhnlich. Die Tatsache, dass meine Waage gestern 2 Kilo mehr angezeigt hat als beim letzten Mal vor einer Woche spricht ich glaube für sich…


Kornelius


Samstag, 10. April 2010

Watch this space!



Was für ein Gefühl – das Gefühl der Weite. Wenn man schon so lang in der großen Stadt lebt, dann überwältig es einen durchaus: das Gefühl der Weite… Ich meine ich habe es ja schon immer mal aus der Stadt heraus geschafft, aber das war schon eine neue Erfahrung für mich. Meine Mitbewohner hatten mich eingeladen in das 250km westlich von Sydney liegende Mudgee mit zu kommen. Auf dem Weg dorthin, muss man die Blue Mountains überqueren, jene Berge von denen ich euch schon ab und zu berichtet habe. Ich konnte es kaum glauben, aber man möchte meinen auf der anderen Seite der Berge beginnt eine andere Welt. Eine schmale, lange Straße. Weite Wiesen und Felder. Hier und da ein Farmerhaus und ab und an ein verlassener Bahnhof an einer noch verlasseneren Bahnline. Dazwischen Nichts – lediglich unendliche Weite und traumhaft schöne Natur im Überfluss. Hier und da erfreuen sich große Schaf- oder Kuhherden derer, aber ansonsten fällt die Populationsdichte schlagartig auf nahezu Null.





Mudgee ist eine der größeren Städte im Westen von Sydney mit knapp 9000 Einwohnern. Die Städtestruktur hat mich stark an die in den Staaten erinnert. Quadratisch zueinander verlaufende Straßen, die Flächen dazwischen vollgepackt mit einetagischen Häusern. Alles freundlich wirkend, aber doch irgendwie langweilig ausschauend. Auch wenn die Straßenbeleuchtung noch lang bis in die Nacht hinein an bleibt und in den 3 Pubs am Wochenende der Bär steppt – nach 20Uhr werden die Bürgersteige hochgeklappt. Mittlerweile eher ungewohnt für mich – aber ein absoluter Genuss für die Ohren. Die Nase erfreut sich ungewohnt frischer Landluft.
Am Sonntag gab es einen kleinen Ausflug in das 100km weiter entfernte Dubbo, bekannt für dessen Zoo – und genau das war auch unser Ziel. Der große Zoo wird als Außenstelle, des Taronga Zoos in Sydney betrieben. Wenn es eng in Sydney wird, kommt der Nachwuchs nach Dubbo und wenn in Sydney neues Erbgut gebraucht wird kommt ein Tier einer anderen Herde aus Duddo nach Sydney. Auch im Zoo setzt sich das Gefühl der Weite fort. Der Rundkurs hat eine Länge von 6km. Wer also in der prasselnden Hitze den Zoo zu Fuß erkunden will muss schon verrückt sein. Deshalb werden Räder zum Verleih angeboten und die eher bequemeren Besucher bleiben im Auto sitzen. Man fährt also auf der zooeigenen Straße und aller ein paar Hundert Meter kommt ein Parkplatz von dem aus man zum nächsten Gehege laufen kann.










Es ist schon verrückt, das Gefühl der Weite. Man sitzt 5 Stunden im Auto und legt 350 km zurück. Schaut man sich die Strecke auf der Karte an war man nur ein Stecknadelkopf von der Küste entfernt. Wäre ich in Deutschland gewesen hätt ich in der gleichen Zeit einmal quer durchs Land fahren können und hätte kaum ein Quadratmeter gefunden, der so einsam und unbesiedelt ist, wie das Land hinter den Bergen...

Ostern war dieses Jahr mal etwas anders. Ich wollte die 4 Tage noch einmal nutzen, um ein bisschen aus der Stadt heraus zu kommen. Donnerstagabend ging es also zum Strandhaus, 4h nördlich von Sydney – im Gepäck mein Surfboard und mein Rad. Es war echt klasse mal 4 Tage auszuspannen und nicht viel zu machen. Obwohl die erste Hälfte vom Herbst schon fast rum ist, war das Wetter noch sehr schön und angenehm warm. Das Wasser war sogar noch super warm – bei 24°C ist einem auch nach 2 Stunden Surfen noch nicht kalt. Ich hatte also ideale Voraussetzungen um in Ruhe meine Surfkünste zu verbessern. Wir waren jeden Tag mehrere Stunden im Wasser und haben versucht so viele Wellen, wie möglich zu catchen;) Zum besseren Verständnis sei nochmal erwähnt, dass es sich dabei um das klassische Wellenreiten gehandelt hat. Ich begnüg mich normaler Weise mit dem Bodyboard, ein eher kleines Schaumstoffboard auf dem man mit der Brust liegt. Relativ einfach zu surfen und auch wesentlich ungefährlicher, weil man kaum von der Welle umgeworfen wird. Beim Wellenreiten hingegen ist die Länge des Board erheblich größer, sodass man schnell von der Welle erfasst werden kann und dann völlig willenlos im Wasser umher geschleudert wird – da sollte man schon vorsichtig sein! Das Bodyboarding ist allerdings nicht zu verwechseln mit dem Bodysurfing, bei dem man nur auf der bloßen Brust auf der Welle reitet. Quasi das, was jeder macht, wenn er im Meer baden geht und ein wenig Wellengang ist.




Am Ostermontag ging es auf dem Rückweg noch in Seal Rocks vorbei. Eine sehr abgelegene Landzunge inmitten eines großen Seengebiets. Klasse Landschaft, schöne Strände und Buchten. Bestens geeignet um Fotos zu machen;)



















Seal Rocks an sich ist bekannt für seinen absolut fotogenen Leuchttrum und für naturnahes Camping. Im ganzen umliegenden Gebiet befinden sich Campingplätze, alle nur mit Plumpsklo und Elektrogrill ausgestattet (Australier: ziehen sich den Grill einer Dusche vor…).


Ich hatte euch ja schon einmal vom quietschenden Sand geschrieben, hervorgerufen von einem hohen Silikatgehalt im Sand. In Sydney gibt es vereinzelt Stellen an den Strände, wo man es quietschen hören kann, wenn man mit den Füßen in den Sand kickt, aber in Seal Rocks ist es einfach nur extrem. Einer der Strände hatte eine Geländewagenzufahrt. Hätte ich verbundene Augen gehabt, hätte ich gemeint, ich fahre über Schnee, so quietschig war die Geräuschkulisse. Hinzu kommt, dass der Sand extrem weich ist. Es war wesentlich schwerer zu fahren als auf Fraser Island. Ich wollte nur einen kleinen Schnappschuss am Strand machen.



Als ich jedoch wieder starten wollte ging es nicht mehr so wirklich voran. Stattdessen gruben sich meine Räder immer tief in den Sand. Schon etwas unbehaglich, bei dem Gedanken, dass ich dieses Mal allein war und auch absolut keine Selbsthilfe Handgeräte mit mir hatte. Mir blieb also nix weiter übrig als meinen Reifendruck drastisch zu senken und auf die kurze Übersetzung zu schalten. Das hat mit viel gutem Willen zum Glück noch mal geklappt und ich bin dann direkt wieder auf festen Boden zurück gefahren. Bei steigender Flut hat schon so manch einer seinem Auto beim Absaufen zugeschaut.

Hier mal noch ein kleines Quiz für meine Orgelbauer Kollegen. Ich hatte letzte Woche das Vergnügen ein altes vergammeltes Befeuchtungssystem zu deinstallieren. Die Orgel widerspricht jeglichen Sicherheitsstandards. Direkt hinter der Mixtur geht es nach unten – tief nach unten…




Im inneren der Orgel fiel mein Blick auf folgende Lade mit einer sehr seltsamen Disposition…




Mein Kollege allerdings meinte, dass das eine sehr gängige Sache in Australien wäre. Könnt ihr euch vorstellen was das ist, bzw. hat man solch eine Pfuscherei auch bei uns in Deutschland gemacht ;)?

Das war‘s – ich wünsch euch allen einen tollen Frühling!
Euer Kornelius

… und nicht vergessen. Nachdem ihr vor 2 Wochen eine Stunde weniger schlafen konntet, ich dafür letztes Wochenende eine länger, liegen wir jetzt nur noch 8 Stunden auseinander.